Mittwoch, 31. Juli 2013

Schluss mit lustig!


Für die Mehrheitsgesellschaft ist Rassismus eine Randerscheinung und wird nur sogenannten "Rechtsextremist_innen" zugeordnet. Doch neben dem völkischen Rassismus der neonazistischen Ideologie gibt es den oft ausgeblendeten Alltagsrassismus der Mitte. Er ist ein in allen gesellschaftlichen Schichten verankertes Menschenbild, welches auf der gezielten sozialen Ausgrenzung von Personengruppen aufgrund von Merkmalen wie Herkunft oder Hautfarbe basiert. So werden Schubladen konstruiert, in die ein Mensch passt oder eben nicht passt, je nachdem welchen rassistischen Stereotypen er entspricht.

Vom weit verbreiteten Alltagsrassismus profitieren vor allem rechte Gruppierungen, wie beispielsweise "Pro Deutschland", "Die Freiheit" oder die "Republikaner". Sie geben sich als liberale und bürgernahe Alternative zu den großen Parteien aus. Ihre populistischen Parolen bedienen bürgerlich-rassistische Ressentiments und stoßen dabei zunehmend auf Anerkennung der Münchner Bürger_innen. Geschürt werden diese Vorurteile auch durch die boulevardeske Berichterstattung über die aktuelle Lage in den Münchner Asylbewerberheimen und Pseudostatistiken über sogenannte "Ausländergewalt". Dabei gibt sich die Münchner Polizei größte Mühe bei jedem/jeder Tatverdächtigen im täglichen Polizeibericht zum Beispiel "südländisches Aussehen" hervor zu heben. Diese rassistischen Formulierungen werden von den meisten Münchner Medien 1:1 übernommen.

Hier in München sind zunehmend die Kleinparteien "Die Freiheit" und "Pro Deutschland" aktiv.

"Die Freiheit" hält seit nun mehr als einem Jahr rituell jede Woche stundenlange Kundgebungen ab, in denen sie ihr antimuslimisches und patriotisches Weltbild propagieren. Dicht vernetzt ist "Die Freiheit" mit dem rassistischen Internetportal "Politically Incorrect (PI)", auf dem auch häufig Nazis aktiv sind. Dort werden regelmäßig Hasstiraden gegenüber Politiker_innen und Aktivist_innen veröffentlicht.

Trotz zahlreichen und zähen Gegenprotesten gegen diese Infostände ist "Die Freiheit" weiterhin aktiv. Wir möchten das nun ein für alle mal beenden, denn irgendwann ist Schluss mit lustig! Wir rufen daher zu einer offensiven, antirassistischen Demonstration am 14. September 2013 in München auf.

Samstag, 14. September 2013 - 12 Uhr.
München, Oberanger beim Kurt-Eisner-Denkmal.

Sonntag, 7. Juli 2013

Antifa-Jugendcamp geht in die 4. Runde



Vom 05.  bis zum 08. September 2013 findet in Landshut ein bayernweites antifaschistisches Jugendcamp statt.
Ziel des Camps ist es, dass Jugendliche der verschiedenen antifaschistischen Spektren sich besser kennenlernen, weitere Mitstreiter_innen für ein antifaschistisches Engagement gewonnen und Kontakte zwischen den antifaschistischen Kräften geknüpft werden.
Zur Teilnahme und Unterstützung sind alle Jugendgruppen und Einzelpersonen aus dem gewerkschaftlichen, linken, autonomen, parteipolitischem und bürgerlichen Spektrum, die antifaschistisch aktiv sind bzw. werden wollen, herzlich eingeladen. Wir wollen Erfahrungen austauschen, Wissen vermitteln, Grundsätze und Standpunkte diskutieren, sowie Ansätze gemeinsamer Aktivitäten erarbeiten.
Geplant sind weiterhin Berichte und Gespräche mit Zeitzeugen über Verfolgung und Widerstand, Podiumsdiskussionen, Informations- und Filmveranstaltungen, Referate und Workshops zu theoretischen und praktischen Fragen, über aktuelle Kampagnen und künftige Aktionen – aber auch Spaß, Kultur und ein Konzert.

Mit Freude können wir auf das Antifascist Summercamp (ASC) 2013 in Dobrla vas, (Eberndorf) in  Koroška (Kärnten/ Österreich) verweißen. Dies findet von Dienstag, den 27.08. bis Sonntag, den 01.09.2013 statt. Weitere Infos findet ihr unter: antifanet.at.

Montag, 1. Juli 2013

Offener Brief an das EineWeltHaus München

Sehr geehrter Vorstand des EineWeltHaus,

mit Freude haben wir vor zwölf Jahren die Eröffnung Ihres Hauses wahrgenommen, das sich seit seiner Gründung zu einer wichtigen Anlaufstelle für Migrantinnen und Migranten, Kulturschaffende und Andersdenkende entwickelt hat. Darauf können Sie stolz sein und dafür möchten wir Ihnen aufrichtig danken.

Mit großer Sorge nehmen wir allerdings zur Kenntnis, dass kein anderes Land der Welt im Rahmen Ihres Programms in gleicher Weise und ähnlich häufig so negativ dargestellt wird wie Israel. Allein in diesem Jahr fand jeden Monat eine Veranstaltung statt, die sich ausschließlich abwertend mit Israel befasste.
Wiederholt wurde bei Veranstaltungen zum Boykott israelischer Produkte aufgerufen und Israel als „Apartheidsregime“ denunziert. Apartheid ist die in Südafrika bis 1994 praktizierte Politik der sogenannten Rassentrennung. Eine solche Trennung gibt es in Israel nicht – alle Staatsangehörigen sind mit gleichen Rechten ausgestattet.

Mit Staatskritik oder der Suche nach Frieden, die uns alle umtreibt, haben diese Behauptungen aus unserer Sicht nichts zu tun. Ihr offensichtlicher Zweck ist es vielmehr, den jüdischen Staat zu delegitimieren. In beispielhafter Deutlichkeit zeigte sich dieser Versuch der Delegitimierung auch bei der Veranstaltung „Gaza-Flottille und Palästina Fly-In“ (2011), als offen T-Shirts angeboten wurden, auf denen unter dem Satz „Palestine unites us“ eine Karte des Nahen Ostens ohne den Staat Israel abgebildet war.

Ähnlich häufig war auf Veranstaltungen die Behauptung zu hören, jüdische Israelis würden den Holocaust heute ausnutzen, um ungestraft Unrecht zu begehen. Oder in Israel etwa begangenes Unrecht ähnle zum Teil dem Holocaust selbst. In die gleiche Kerbe schlägt die im EineWeltHaus immer wieder zu vernehmende Behauptung, eine „jüdische Lobby“ oder eine ähnlich umschriebene konspirative Gruppe würde die öffentliche Meinung hierzulande dahingehend beeinflussen, dass eine freie Meinungsäußerung in Bezug auf Israel bislang nur eingeschränkt möglich gewesen sei.

Uns zeigt sich ein anderes Bild der öffentlichen Meinung in Deutschland. Meinungsäußerungen zu Israel sind hierzulande durchaus vielfältig. Anders ist dies im EineWeltHaus. Während in den vergangenen 10 Jahren an über 170 Tagen öffentliche Veranstaltungen und Ausstellungen zu besuchen waren, die Israel mit Vorwürfen belasten, sind einzelne Veranstaltungsanfragen, die vom hausüblichen Ton abweichen, von Ihnen abgelehnt worden. Nachdem sich ein Mitglied von AmEchad bei der Veranstaltung „Gaza – Mensch bleiben – Ein Buch zur Lage der Menschen in Gaza“ (2009) in Ihrem Hause kritisch zu Wort meldete, skandierten Jugendliche „Schmeißt ihn raus!“ Die Rhetorik auf diesen Veranstaltungen verschärft sich.

Die in den letzten Jahren an Sie gerichteten Briefe blieben bis auf den letzten unbeantwortet. In Ihrer ersten Antwort im Mai nun schreiben Sie: „Wir legen großen Wert darauf, dass bei Veranstaltungen in unserem Haus gegenseitiger Respekt, Völkerverständigung und Toleranz propagiert und auch gelebt wird.“ Unsere vielfach formulierte Kritik fand in Ihrer Antwort somit offensichtlich keinerlei Eingang. Wir müssen annehmen, dass Sie diese nicht ernst genommen haben. Denn “Respekt, Völkerverständigung und Toleranz” würden auch gebieten, den Staat der Holocaust-Überlebenden und ihrer Nachkommen fairer zu behandeln und eine ausgewogene Sichtweise auf Israel zu entwickeln. Das ist bei Veranstaltungen im EineWeltHaus zu oft nicht oder nur mit eingeschränkter Sehschärfe der Fall.

Im Mai dieses Jahres fand eine gemeinsame Kundgebung von Mitgliedern des Verbands der Jüdischen Studenten in Bayern, der Grünen Jugend München und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft München vor Ihrem Hause statt, um auf den zumindest unterkomplexen Charakter der Veranstaltung „Die ethnische Säuberung Palästinas“ hinzuweisen.

Einen Tag vor der Kundgebung kursierte ein Gegenaufruf im Internet: „Wir dürfen es nicht zulassen, dass die Zionisten ihren Unfug auch in München treiben!“ Die kritische Kundgebung vor dem EineWeltHaus wurde infolge zeitweise eingekreist. Eine Vertreterin Ihres Hauses, die sich als Person mit Hausrecht vorstellte, unterstellte den Teilnehmenden der Kundgebung, die „bezahlten Typen“ von Charlotte Knobloch zu sein.

Viele Münchner Juden und Nichtjuden, Israelis und Israelfreunde fühlen sich im EineWeltHaus nicht willkommen und teilweise sogar bedroht. Wir fordern vom EineWeltHaus, Verständnis auch für Jüdinnen und Juden aufzubringen, die in Israel ein neues bzw. altes Zuhause suchten. Die sich verschärfende Dämonisierung und Delegitimierung Israels sowie die zunehmenden Boykottaufrufe halten wir für nicht akzeptabel.

Wir fordern den Programmvorstand auf, Veranstaltungen in Zukunft abzulehnen, die Israel direkt oder indirekt das Existenzrecht absprechen oder sich konkret gegen Jüdinnen und Juden wenden, wie beispielsweise die Veranstaltung „Die Erfindung des jüdischen Volkes“ (2010). Israel ist ein legitimier Teil der einen Welt, von der Sie sprechen. Und das sollte ein Haus, das sich EineWeltHaus nennt, unserer Meinung nach auch ausstrahlen.

Mit freundlichen Grüßen,

AmEchad, Grüne Jugend München, Linksjugend ['solid] München, Verband Jüdischer Studenten in Bayern, Deutsch-Israelische Gesellschaft – Arbeitsgemeinschaft München, Landesarbeitskreis Shalom der Linksjugend ['solid], Piratenpartei München

München, den 30.06.2013



veröffentlicht auf hagalil.com